Gestalten mit Heimischen Stauden

Beet mit Helianthemum (weiss) und Geranium (purpur-rosa)
Beet mit Helianthemum und Geranium

Ästhetik trifft Wildpflanze

Beim Gestalten mit heimischen Stauden kombinieren wir unsere ästhetischen Ansprüche mit der Verwendung von Wildpflanzen, die im Prinzip auch in der freien Landschaft zu finden sind. Das geht und ist sehr spannend, weil der Garten schön aussieht und sich zusätzlich reiches Leben durch allerlei Insekten einstellt. Dabei säen wir keine Wildblumenwiese ein, sondern gehen wie bei einem konventionellen Staudenbeet vor. Wir erstellen uns ein bewusstes Pflanzkonzept mit Fokus auf Farbkombinationen, Wuchshöhen und Blatttexturen. Der Vorteil ist, dass so auch die Verwendung von heimischen Wildstauden auf kleinen Flächen funktioniert.

Topografie für mehr Spannung im Beet

Für noch mehr Struktur und spannende Blickachsen bietet es sich an, die Oberfläche zu modellieren. Diese Modellierung hilft vor allem im Spätsommer, wenn nur noch wenige heimische Stauden blühen, trotzdem ein ansprechendes, spannendes Bild zu erzeugen. Darüber hinaus bietet ein Hohlweg, dessen Aushub einen Hügel verursacht, oder eine versenkte Sitzecke, die durch Mauern abgefangen wird, einen schönen Rückzugsort für Mensch und Tier. Besonders hervorzuheben ist dabei, dass wir durch die unterschiedlichartigen Beetzonen eine größere Pflanzenvielfalt im Beet erreichen können. Ein Aspekt, auf den es beim Planen mit Heimischen schließlich ankommt.

Heimische im Staudensortiment

Viele heimische Stauden gibt es im Übrigen schon lange als Beetstaude im Staudensortiment. So wie die beliebte Küchenschelle (Pulsatilla vulgaris), die Taubenscabiose (Scabiosa columbaria), die Bergaster (Aster amellus), die Frühlingsplatterbse (Lathyrus vernus) und noch viele mehr. In den letzten Jahren sind viele weitere heimische Arten dazugekommen (siehe Heimische Staudenliste), die wir, richtig eingesetzt, als gartenwürdig empfehlen.

Heimische mit Prachtstaudenniveau

In unseren Schaubeeten tauchen viele heimische Arten auf, die überraschend oft nicht dem typischen Wildwiesenlook entsprechen. Zu erwähnen wären hierbei unter anderem der Berglauch (Allium senescens), die Steppenwolfsmilch (Euphorbia seguieriana) oder der Steppensalbei (Salvia nemorosa). Aber es geht durchaus auch komplett heimisch. Zwei Beete in unserer Gärtnerei sind rein mit heimischen Stauden bepflanzt. Bei diesen Beeten können Sie sich als Kunde ein Bild davon machen, was mit heimischen Stauden gestalterisch machbar ist. Das Schöne ist, dass Sie hier das Arrangement nicht nur zu seiner schönsten Blütezeit präsentiert bekommen, sondern dass Sie die Beete über den gesamten Jahresverlauf beobachten können.

Beet 1: Der Schwabenstolz, ca. 20 m²

Dieses Beet ist mit kalkliebenden Polsterstauden bepflanzt, die einen Magerrasen assoziieren. Hier spielt die oben erwähnte Erdmodulation eine große Rolle. Das Beet brilliert vor allem im Mai/Juni dank einer Kombination aus Teppichthymian (Thymus serpyllum) und der Heidenelke (Dianthus deltoides) und strahlt im Sommer, trotz weniger Blühaspekte, durch seinen flachen Teppich aus allerlei filigranen, feinen Blättchen zwischen Tuffsteinfindlingen Ruhe und Weite aus.

 

Beet 2: Heimischer Gehölzsaum, ca. 8 m²

Bei diesem Beet haben wir Stauden gewählt, die mit dem Wurzeldruck der vorhandenen Eisenholzbäume zurechtkommen. Im Vordergrund des Beetes wachsen die zwei Sonnenröschenarten (Helianthemum nummularium) und (Helianthemum apenninum), dazu das Teppichfünffingerkraut (Potentilla neumanniana) und die Gewöhnliche Pechnelke (Lychnis viscaria). Als halbhohe Arten sind der Blutrote Storchschnabel (Geranium sanguineum), der Wirbeldost (Clinopodium vulgare) und als kräftige Büschchen der Blassgelbe Klee (Trifolium ochroleucum) eingefügt. Auch der in Deutschland sehr seltene Drachenkopf (Dracocephalum ruyschiana) findet hier ein Plätzchen. Diese dauerhaften Stauden bilden nun das Grundgerüst des blütenreichen heimischen Beetes. Einzelne höhere Arten sind eingestreut. Darunter der Haarstrang (Peucedanum officinale), das Laserkraut (Laserpitium siler) und der Diptam (Dictamnus fraxinella), der aber einige Zeit zur Entwicklung braucht.

 

Rückschnitt und Flexibiltät für mehr Vielfalt

Spannend ist bei der Verwendung von heimischen Stauden – zumindest im sonnigen Beet – auch die Bedeutung der Gestaltung durch Rückschnitt. Denn wir sollten nicht vergessen, dass unsere blühreichen Magerrasenwiesen Teil unserer Kulturlandschaft sind. Ihr typisches Aussehen erhalten sie durch menschliche Mahd oder tierische Beweidung. Bitte schneiden – lautet da die Devise. Und wer mutig ist, wird durch frisches Grün und eine Nachblüte im Hochsommer belohnt. Für alle, die sich noch unsicher sind, bieten wir zum Einstieg allsommerlich den Workshop Staudenbeetpflege im Sommer in unsere Gärtnerei an.

Wir laden Sie dazu ein, die Fülle an heimischen Stauden zu entdecken, die sich wunderbar in die Gartenkultur integrieren lassen und auch in Ihrem Garten Verwendung finden können.

Zum Schluss sei noch angemerkt, dass Pflanzen keine Landesgrenzen kennen und wir deshalb das Thema „heimisch“ nicht so dogmatisch sehen wollen. Aufgrund der Klimaveränderung haben unserer Meinung nach Stauden aus ganz Europa einen hohen ökologischen Wert, da schon immer Austausch zwischen den verschiedenen Regionen bestand und nur dadurch eine gute Entwicklung in der sich wandelnden Zukunft stattfinden kann.