Hitzeverträgliche Stauden für nährstoffarme Beete und große Steingärten

Heiße, trockene Sommer. Jeder der sich mit der Natur beschäftigt merkt die Auswirkungen der Witterung der letzten Jahre besonders. Dies hat mich auch animiert trockene Gebiete in Marokko, Spanien, Frankreich, Griechenland und Bulgarien zu bereisen um Eindrücke über die Vegetation sommertrockener Gebiete in Europa zu erhalten. Die alten Staudensortimente bei denen z.B. auch Astilben in großflächigen Pflanzungen verwendet wurden, sind dem Wandel der Zeit unterlegen. Auch im Garten haben wir die Verantwortung umweltverträglich zu gärtnern und standortgerechte Pflanzen zu verwenden. Nasse bis feuchte Gärten sind selten anzutreffen und eine angepasste Pflanzung bei sommertrockenen Beeten ist zu empfehlen, um Wasser einzusparen. Diesem Wandel sind wir auch als Staudengärtner verpflichtet: Stauden zu empfehlen und zu entdecken, die sommerliche Hitzeperioden ohne zu viel Gießaufwand überstehen.

Wasserretention und Mulchschicht

Zusätzlich zu den bewusst ausgewählten Stauden, sollten wir auch auf die Möglichkeit der Regenwasserversickerung im Garten und weitere Maßnahmen zurückgreifen. Bewährt hat sich z.B. das Mulchen der Staudenflächen um Feuchtigkeit im Boden zu erhalten. Dabei ist es möglich sowohl auf einen organischen als auch auf einen mineralischen Mulch zurückzugreifen. Das passend eingesetzte Mulchmaterial, organisch oder mineralisch, richtet sich nach Anspruch und Optik der Pflanzung.

 

Gebirge des Mittelmeerraums als Vorbild

Einige, in älterer Literatur noch für die volle Sonne empfohlene Stauden verbrennen inzwischen in voller Sonne. Dies haben wir besonders im Steingarten bei verschiedenen Steinbrech-arten festgestellt. Diese sind jetzt besser im Halbschatten aufgehoben. Ganz neue Erfahrungen müssen gesammelt werden. Für den hitzegeprägten Steingarten sind daher besonders Stauden aus den heißen und sommertrockenen Gebirgsregionen des Mittelmeerraumes interessant. Diese Standorte weisen sowohl winterliche Kälte auf als auch lange, heiße, trockene Sommer.

Stauden der Dornpolsterfluren

In den Hochgebirgsregionen existiert dort eine Pflanzengesellschaft die als Dornpolsterflur bezeichnet wird. Bestimmte Arten aus dieser Vegetationsgesellschaft befinden sich in Kultur und es gilt noch weitere für das Staudensortiment zu entdecken. Zu den Vertretern der Dornpolsterfluren gehören die unter Anderem die Igelpolster (Acantholimon-Arten), welche stachelige Polster bilden und sich mit rosa Blüten schmücken. Es gibt kleiner wüchsige Arten, und Arten wie das Kreta-Igelpolster (Acantholimon creticum ssp. creticum) das große Polster bis zu einen Meter Durchmesser bildet. Dass sich unser Klima geändert hat, können wir in unserer Region vor allem bei dieser Gattung feststellen. Vor 10-15 Jahren erfolgte bei diesen Igelpolstern (Acantholimon ) kein, oder nur spärlicher Samenansatz im Garten. Inzwischen sind die Sommer so heiß, dass die Pflanzen sich sogar leicht selber ausgesät haben. Eine besondere Artenvielfalt der Igelpolster findet sich hauptsächlich im östlichen Mittelmeerraum. Ebenfalls dort ansässig, der Tragant (Astragalus angustifolius). Bis zu einen Meter Durchmesser erreicht diese beindruckende, langlebige Polsterpflanze, die sich im Frühling mit creme- weißen Blüten schmückt. Überraschend schnell wurzeln diese Pflanzen in die Tiefe um langanhaltende Trockenheit zu überstehen. Ein weiterer dornig wachsender Geselle ist der blaue Igelginster (Erinacea anthyllis). Er wächst sehr langsam, kann aber im hohen Alter imposante Polstergrößen erreichen. Verbreitet ist er in den Hochgebirgsregionen des westlichen Europas.

Blütenreiche Begleiter der Dornpolsterstauden

In Begleitung dieser Dornpolsterflur finden sich Stauden mit meist kleineren oder graulaubigen Blättern, die ebenfalls der Trockenheit und Hitze trotzen. Aus der Sierra Nevada in Spanien kommt z.B. ein Gliedkraut (Sideritis glacialis) von dessen Art ein Vertreter bei uns auf einer Mauerkorne sitzt. Neben all den guten Wuchseigenschaften kommt bei dieser Pflanze noch die große Attraktivität für Insekten hinzu. Es gibt noch weitere Sideritis-Arten mit gleichen guten Eigenschaften, wie z. B. der Griechische Bergtee (Sideritis syriaca), den ich in Griechenland und Bulgarien am Naturstandort beobachten konnte. Vom Dornigen Steinkraut (Ptilotrichum spinosum) beeindruckten mich besonders die großen Flächen mit kompakten Polstern in ca. 3000m Höhe am höchsten Berg Nord-Afrikas, dem Djebel Doubkal. Dieses kleine Zwergsträuchlein hat sich bei uns in den heißen Steinspalten unserer Trockenmauern bewährt. Im späten Frühling ist es vollkommen mit Blüten bedeckt. Wir kultivieren die farbintensive, rosarot blühende Sorte (Ptilotrichum spinosum ’Rubrum’). Wahre Dauerblüher sind die kleinen Reiherschnäbel-Arten (Erodium), die ein wenig an Miniaturausgaben der Storchschnäbel erinnern. Ihre lange Blütezeit und große Vorliebe für Trockenheit macht die Reiherschnäbel zu anspruchslosen Steingartenpflanzen. Zu unseren Lieblingen zählt unter anderem der Dunkeläugige Reiherschnabel (Erodium guttatum), er trägt weiße Blüten mit dunklem Fleck. Rosa blüht Erodium ‚‘County Park’. Erodium chrysanthum fällt etwas aus der Reihe.Er blüht hellgelb und bildet gegenüber den anderen kleinwachsenden Reiherschnäbeln große, bis einen Meter große Polster. Unter den Winden, welche viele nur als aufdringliche Mitbewohner im Garten kennen, gibt es wahre Juwele. Convolvulus x sündermannii ist eine nicht wuchernde, langsam wachsende Winde mit großen rosa aufsitzenden Blüten, auf nur fünf Zentimeter hohen, graulaubigen Polstern. Die Liste hitze- und trockenheitsverträglicher Pflanzen für den Steingarten könnte ich noch eine ganze Weile fortsetzen. Dies soll nur ein kleiner Auszug daraus sein.

Dankbar und Robust - Convolvulus x suendermannii
Ein Steingartenjuwel - Convolvulus x suendermannii

Steppenpflanzen

Mit den Steppenpflanzen finden wir eine weitere Vegetationsgesellschaft die unsere Ansprüche an den wassersparsamen Garten erfüllen. Hier finden sich interessante Stauden in den Steppen Europas und natürlich auch in Übersee. Genauer botanisiert habe ich in den Steppen Bulgariens, Spaniens und natürlich auch in unseren heimischen Trockenrasen. Die großen Federgrasbestände von Stipa capillata im Spessart am Kalbsberg begeistern mich immer wieder. Eine weiter tolle Art ist das Reiherfedergras (Stipa barbata )  mit auffällig langen, hellen Schweifen. In der Natur ist es oft vergesellschaftet mit dem Blutroten Storchenschnabel Geranium sanguineum von dem es verschiedene empfehlenswerte Sorten gibt. Kombinationen aus der Natur, die auch für den Garten empfehlenswert sind: die Goldaster (Aster linosyris) zusammen mit der Bergaster (Aster amellus) und dem Edelgamander (Teucrium chamaedrys). Von der Bergaster gibt es ebenso einige Kultursorten und mit dem Edelgamander hat man einen strapazierfähigen Bodendecker, der von Insekten geliebt wird und wintergrün ist. Hier gibt es auch verschiedene Formen wie die weiß blühende Sorte oder kompakter wüchsige Sorten. Aus den Steppen Bulgariens haben wir die exotisch wirkende Junkerlilie (Asphodeline lutea ) in Kultur. Jedes Jahr bringt sie ihre auffälligen, bis einen Meter hohen, gelben Blütenkerzen hervor. Weitere Arten der Junkerlilie in den Steppen Bulgariens sind Asphodeline liburnica und Asphodeline taurica. Niedrige Polster in den Steppen bildet der in Bulgarien und auch bei uns heimische Meister (Asperula cynanchica). Auch hier haben wir nur einen kleinen Auszug möglicher Stauden der europäischen Steppen, die sich in unseren Gärten kultivieren lassen.

Tipps für die Gartenpraxis

Elemente der Dornpolster lassen sich auch zur Auflockerung gut mit Arten aus der Steppe kombinieren. Hierbei sollte man darauf achten, dass es sich um schwächer wachsende Stauden oder Arten handelt, die kein üppiges Laubwerk besitzen, um die Dornpolster nicht zu beschatten. Bei der Anlage einer Dornpolster- oder Steppenpflanzung im Garten ist es wichtig einen sonnigen Standort zu wählen. Vor allem bei den Dornpolsterstauden muss der Standort wirklich frei sein. Das heißt, es sollten keine überhängenden Zweige von Bäumen vorhanden sein, von denen Regenwasser heruntertropft. Auch Laubfall auf die sonnenhungrigen Polster wird nicht vertragen. Die Steppenpflanzen sind da meist etwas variabler da sich deren Standorte auch in der Natur manchmal am Gehölzrand befinden. Beide Pflanzkonzepte sollten einen durchlässigen Boden besiedeln, der keine Staunässe besitzt. Für eine Dachbegrünung sind die Steppenpflanzen nur bedingt oder nicht geeignet, da sie die Eigenschaft haben schnell und tief in den Boden einzuwurzeln um Trockenperioden zu überstehen. Für flachgründige, trockene Stellen eignen sich dagegen sukkulente Pflanzen. Eine größere Auswahl bieten die niedrigen und hohen Fetthennen  Sedum -Arten, eine große Sortenanzahl an Dachwurz  (Sempervivum), sowie verschiedene Arten der Mittagsblumen (Delosperma), die aufgrund des Klimawandels immer empfehlenswerter geworden sind .Diese müssen im Prinzip nicht gewässert werden. Wichtig ist hingegen, dass es keine Staunässe gibt (vor allem im Winter) um Nässeschäden bei starken Regenfällen vorzubeugen. Aufwerten lassen sich diese Pflanzungen noch mit sehr strapazierfähigen Trockenstauden wie z.B mit den vielen Sorten der Bart-Iris. Ein besonderer Liebling ist bei uns die zwergige Wildart Iris melitta. Sie blüht besonders früh und wächst sehr kompakt. Ist es nicht spannende, mit dem Wandel der Zeit neue Ideen über Sortiment und Anlage zu finden, als sich damit abzumühen alte Strukturen und Denkweisen zu erhalten? Sonnige, heiße und trockene Naturstandorte regen uns zu unterschiedlichen Gestaltungsideen bewässerungsarmer Pflanzkonzepte im Garten an.