Insekten in unserer Staudengärtnerei
Den Garten insektenfreundlich zu gestalten ist ein heute ein wichtiger Aspekt, bei der Anlage oder Umgestaltung des eigenen Gartens. Natürlich kann man mit dieser Maßnahme nicht die ganze Welt retten, aber ein vielfältiges Angebot im eigenen Garten erhöht die Artenvielfalt zuhause maßgeblich.
Auch wir waren gespannt, welche Insekten bei uns in der Gärtnerei zu finden sind und was sie so treiben. Hier ein kleiner Ausschnitt aus Thomas Eidmanns Entdeckungsreise durch die Welt der Insekten.
Insektenkino aus der Ferne
Wer der Insektenreiben im Garten aus der Ferne beobachten möchte, pflanzt am besten nektarreiche Vertreter in sein Staudenbeet. Staatenbildende Bienen, wie die Honigbiene oder verschiedene Hummelarten brauchen viel Nektar für ihre Völker und sind im Garten reichlich vertreten.
Klassiker sind hier Stauden aus der Familie der Lippenblütler. Auch Rosengewächse sind sehr beliebt. Dazu zählen auch die Strochschnäbel, wie der Blutstorchschnabel – Geranium sanguineum oder der Wiesenstorchschnabel – Geranium pratense. Borretschgewächse sind ebenfalls verlässliche Nektarspender. Viele sind vor allem auf kleinere Insektenarten ausgerichtet. Der großen Steinhummel ist das herzlich egal. Ist die Blüte zu klein, wird kurzerhand am Blütengrund ein Loch gebohrt.
Nachtfalter an Nelkengewächsen
Manch eine Biene ist zur Mittagszeit auf einer Nelkenblüte anzutreffen. Diese nutzt die Blüte allerdings nur als Rastplatz für zwischendurch. Nektar gibt es hier nur für besonders lang-rüsslige Insekten. Heimische Nelkengewächse, wie die weiße Teppichnelke ( Dianthus arenarius ), die im Übrigen auch bei Darmstadt auf den Sanddünen wächst und das Kissen-Seifenkraut (Saponaria ocymoides) sind wichtige Nahrungsspender für Nachtfalter.
Auch das Taubenschwänzchen zählt zu diesen Vertretern. Oft kann man es aber auch schon tagsüber antreffen. Gerade an lauen Sommerabenden macht es sehr viel Freude, dem kleinen Geschöpf von der Terrasse aus bei der Nahrungssuche zu beobachten.
Flexible Solitärbienen
Eine weitere Insektenattraktion im Garten ist die dicke blauschwarze Holzbiene. Ihr Vorbeiflug ist kaum zu überhören. Bei uns besucht sie am liebsten das Brandkraut – Phlomis russeliana und den Muskatellersalbei – Salvia sclarea. Aber auch die Färberhülse – Baptisia australis, ein Nordamerikaner, steht auf ihrer Favoritenliste ganz oben. Es muss also nicht zwangsläufig heimisch sein, wenn man Insekten erleben möchte.
Dass Insekten durchaus auch anpassungsfähig sein können, zeigte uns letzten Sommer eine kleine Glockenblumenscherenbiene. Die Männchen dieser Art übernachten in den Blüten von Glockenblumen und warten auf vorbeifliegende Weibchen, um sich zu paaren. Da gerade keine Glockenblume zur Stelle war nahm die Biene kurzerhand mit der Blüte der Ballonblume – Platycodon grandiflorus vorlieb. Ob die weibliche Biene da auch so flexibel ist?
So kann ich den spezialisierten Insekten helfen
Überhaupt nicht flexibel sind Spezialisten bei der Pollenwahl für den Nachwuchs. Hier muss es die richtige Pflanze sein. Deshalb ist der Einsatz von heimischen Wildstauden im Garten so wichtig. Politische Grenzen spielen für Insekten im Übrigen keine Rolle.
Wer den Speziallisten im Garten etwas Gutes tun will, muss sich also informieren, welche Pflanzenarten im Landkreis natürlicherweise vorkommen (vorgekommen sind). Eine gute Hilfe ist uns dabei https://www.floraweb.de/.
Nahrung alleine reicht, wie Sie sicher wissen nicht aus, um Insekten im Garten zu etablieren. Ein Insektenhotel ist eine schöne Sache, doch beobachten Sie einmal, wo in ihrem Garten Insekten überall ein zu Hause finden können. Sie werden überrascht sein. Die Beständigkeit im Garten ist dabei fast genauso wichtig, wie die Angebote, die Sie schaffen. Bei uns hat sich eine Blattscheiderbiene eine Bruthöhle in einen kleinen alten Dachwurz-Trog an der Haustüre gebaut.
Korbblütler, Doldenblütler und Wolfsmilchgewächse für kurzrüsslige Insekten
Bienen und Schmetterlinge sind die beliebtesten Insekten der Gartenbesitzer. Doch auch viele Fliegen und Käfer leben im heimischen Garten und ernähren sich vom Nektar. Da sie nur kurze Mundwerkzeuge zur Nektaraufnahme besitzen bevorzugen viele von ihnen vor allem Korbblütler, Doldenblütler und Wolfsmilchgewächse. Eine erwähnenswerte Gartenstaude ist hierbei z.B. die Steppenwolfsmilch Euphorbia seguieriana, die bei uns zusammen mit dem Steppensalbei Salvia nemorosa, ein schönes Bild ergibt.
Zu unseren Lieblingsdoldenblütlern gehören die kurzlebige Wilde Möhre – Daucus carotta, der Kärnter Haarstang – Peucedanum rablense und der Bergsesel - Seseli montanum. Letzterer wird bei uns zuverlässig von den Raupen des Schwalbenschanz besiedelt.
Eine besonders hübsche Fliege ist die Kohlwanzenfliege. Hier auf einer Aster amellus Sorte entdeckt. Ihr Name rührt daher, dass sie ihre Eier an Wanzen ablegt. Die Larven befallen diese. Der Gebänderte Warzenkäfer ist ebenfalls ein Nützling im Garten. Er jagt kleine Insekten und Milben. Lebensraum findet er für sich und seine Larven im Komposthaufen und in rottendem Totholz.
Blätter dienen als Raupenfutter
Stauden bieten nicht nur Nektar. Auch die Blätter dienen als Nahrung und Kinderstube. Wi groß ist die Freude, wenn wir Spuren der Blattscheiderbiene an unseren Pfingstrosenblättern finden. Eine Emotion, die es vor 20 Jahren noch nicht gegeben hätte. Wir merken, es findet ein Umdenken statt. Und dennoch: Blattläuse z.B. sind immernoch sehr unbeliebt beim Hobbygärtner. Doch auch hier darf man nicht vergessen, dass es sich bei den Läusen ebenfalls um wichtige Insekten handeln. Also lieber zweimal nachgedacht, bevor das Blattlausmittel zum Einsatz kommt. Die Marienkäfer wissen ganz genau, wann die Blattlausaison beginnt. Schlüpfen die kleinen hungrigen Larven, erwartet sie schon ein reich gedeckter Blattlaustisch. Wir kultivieren unsere private Marienkäferlarvenkolonie an unserem Hopfen, der über das Scheunendach rankt. Nach ein paar Wochen ist der Blattlausspuk dann auch vorbei und unsere Staude im Garten sieht - oh wunder - wieder so schön aus wie eh und je.
Will man es richtig machen, lohnt es sich, sich mit den kleinen Krabbeltieren im Garten auseinander zu setzen und sich zu informieren. Handelt es sich um einen Nützling? Muss etwas getan werden, weil es sich um eine Neophytische Art handelt, die hier keine natürlichen Feinde besitzt? Löst sich das Problem evtl. mit etwas Geduld von alleine? Apps wie Obsidentify helfen verlässlich bei der Bestimmung des entdeckten Insekts oder der Larve.
Klimagäste
Den Klimawandel gibt es nicht. Oder doch? Immer häufiger entdecken wir Klimagäste, die den Weg zu uns gefunden haben und sich erfolgreich etablieren. Ein unscheinbarer Neubürger ist die Brombeereule, sie lebte vor allem in Südeuropa und Nordafrika. Die Raupen ernähren sich vor allem von Brombeerblättern. Vor drei Jahren lebte eine Gottesanbeterin bei uns in der Gärtnerei, eingewandert aus dem Mittelmeerraum. Besonders bunt präsentiert sich der Harlekinbär. Auch er lebt für gewöhnlich in Afrika und Südostasien, schaut aber manchmal auch bei uns in Mitteleuropa als Wanderfalter vorbei.
Spinnen
Die Welt der Insekten ist groß und vielfältig. Wir haben es in der Hand ihnen bei uns im Garten einen Lebensraum zu bieten. Kleinteiligkeit, und die Gestaltung mit ökologisch wertvollen Stauden und Gehölzen, sowie Steinen, Holz und Topografie machen den insektenfreundlichen Garten aus.
Aber nicht nur Insekten, auch Spinnen sind vom Aussterben bedroht und sollten im Garten willkommen sein. Auch hier gibt es viele spannende Arten und viele sind wahre Gartenhelfer.